Was ist Nerolidol?

Definition
Nerolidol ist ein Sesquiterpenalkohol und kommt in Pflanzenarten mit blumigem Duft vor, darunter Kräuter aus traditionellem Gebrauch [1]. Industriell steht er in Kosmetik und Reinigungsprodukten, allein wegen des Geruchs, und in den USA ist er als sicherer Aromastoff eingeordnet [1]. Alles Weitere, was zu diesem Terpen veröffentlicht ist, stammt aus präklinischen Modellen.
Zwischen Duschgel und Hanfblüte
Halb sieben im Bad. Unter dem Waschbecken steht ein Reinigungsmittel, im Regal ein Duschgel, und beides riecht nach irgendetwas Blumigem. Auf der Rückseite läuft eine Liste von Bestandteilen, die niemand liest. Genau in dieser Situation kommt Nerolidol vor: gerochen, gelegentlich geschmeckt, der Name auf dem Etikett ungelesen [1]. Zwei Wochen später steht dasselbe Wort in einer Terpenliste zu Hanf, und plötzlich klingt es wichtig.
Wo der Stoff im Pflanzenreich auftaucht
Terpene sind eine sehr große Stoffgruppe. Über 40.000 solcher Verbindungen sind in der Natur beschrieben [1]. Nerolidol gehört dazu und findet sich in Pflanzenarten mit blumigem Duft, darunter Kräuter aus traditionellem Gebrauch [1]. In der Übersichtsarbeit von Chan und Kollegen aus dem Jahr 2016 wird die Substanz als Sesquiterpenalkohol geführt [1]. In der Arbeit von Wattenberg aus dem Jahr 1991 erscheint dasselbe Molekül unter seiner systematischen Bezeichnung, 3-Hydroxy-3,7,11-trimethyl-1,6,10-dodecatrien [4]. Zwei Namen, ein Stoff.
Zehn bis hundert Tonnen, allein für den Duft
Der industrielle Verbrauch liegt bei rund 10 bis 100 Tonnen im Jahr [1]. Abnehmer sind Kosmetik und Reinigungsprodukte, und der Zweck ist in beiden Fällen derselbe: der Geruch [1]. Ein Punkt, der dieses Interesse trägt, ist die Stabilität der Verbindung [1]. Im Lebensmittelbereich führt die US-Behörde FDA Nerolidol als sicheren Aromastoff, und die Rolle, die Hersteller ihm dort geben, ist die eines Aromaverstärkers [1]. In Europa begegnet er den meisten Menschen so wie im Bad: über Nase und Zunge, ohne dass der Name auf der Verpackung gelesen wird [1]. Damit ist die erste Hälfte der Frage mit Zahlen beantwortet. Herkunft, Menge, Zweck. Die zweite Hälfte betrifft die Fachliteratur, und dort sieht das Bild anders aus.
Elf Angaben, die sich belegen lassen
- Terpene als Gruppe: über 40.000 dieser Verbindungen sind in der Natur beschrieben, und Nerolidol ist eine davon [1].
- Vorkommen: Pflanzenarten mit blumigem Duft, unter ihnen Kräuter aus traditionellem Gebrauch, werden als Fundstellen genannt [1].
- Stabilität: sie gilt in der Übersicht von 2016 als der Punkt, der das industrielle Interesse an dieser Verbindung trägt [1].
- Verbrauch: rund 10 bis 100 Tonnen pro Jahr, wobei der Zweck nach dieser Quelle allein im Geruch liegt [1].
- Branchen: Kosmetik auf der einen Seite, Reinigungsprodukte auf der anderen, beide mit derselben Begründung [1].
- Lebensmittelrecht in den USA: Einordnung durch die FDA als sicherer Aromastoff, mit dem Aromaverstärker als beschriebener Herstellerrolle [1].
- Europa: Verbraucher riechen und schmecken den Stoff, während der Name auf dem Etikett ungelesen bleibt [1].
- Übersichtsarbeit von Russo aus dem Jahr 2011: Nerolidol wird dort als Kandidat für eine Interaktion mit bestimmten Cannabinoiden geführt [2].
- Belegstufe der weiteren Befunde: ausschließlich präklinisch, erhoben in Mausmodellen, ohne veröffentlichte Untersuchungen am Menschen [5].
- Belastbarkeit: mehrere der unten genannten Befunde stützen sich jeweils auf eine einzige Publikation und nicht auf eine Reihe von Arbeiten.
- Bibliografische Notiz: PubMed führt für die Arbeit von Fonsêca den Februar 2016, während einige Verzeichnisse 2015 nennen, was auf eine Online-Vorabveröffentlichung vor dem Druck hindeutet [3].
Der Kandidatenstatus aus einer Übersichtsarbeit
2011 legte Russo eine Übersichtsarbeit vor, in der Terpene und Cannabinoide gemeinsam betrachtet werden. Nerolidol steht dort als Kandidat für eine Interaktion mit bestimmten Cannabinoiden [2]. Kandidat ist das entscheidende Wort. Es benennt einen Vorschlag, keine Messung.
Der Begriff, der in diesem Zusammenhang meist fällt, ist die Entourage-Hypothese, also die Annahme, dass die Begleitstoffe eines Pflanzenauszugs gemeinsam anders in Erscheinung treten als einzeln. Beim ersten Lesen klingt das wie eine Erklärung. In der Arbeit von 2011 ist es eine Fragestellung, die aufgestellt und mit Literatur unterlegt wird [2]. Für Nerolidol folgt daraus keine Zahl, kein Anteil, keine Größenordnung.
Dazu passt der Unterschied in der Belegdichte. Die industrielle Seite lässt sich beziffern: Tonnage, Branche, Zweck, dazu die Einordnung als Aromastoff in den USA [1]. Die Seite der Cannabinoidforschung besteht bei diesem Terpen aus dem Kandidatenstatus in einer Übersicht [2] und aus präklinischen Modellen, die jeweils eine eigene Messgröße erfassen.
Das Endocannabinoid System, das in Suchanfragen oft direkt neben solchen Themen steht, ist ein eigenes Kapitel und gehört nicht in diese Zeile. Aus dem Namen eines Duftbestandteils folgt keine Angabe über ein körpereigenes Signalsystem. Wer bei einem Auszug wissen möchte, was tatsächlich in der Flasche steht, landet bei einer anderen Unterlage, nämlich beim Bericht zur jeweiligen Charge.
Bleibt die Frage, warum ein Duftstoff überhaupt in Texten über Hanf auftaucht. Die Antwort ist unspektakulär. Terpene sind eine sehr große Gruppe, sie kommen in blumig duftenden Pflanzenarten ebenso vor wie in Kräutern aus traditionellem Gebrauch [1], und dieselben Namen erscheinen deshalb in Aromalisten, in Unterlagen zur Kosmetik und in Übersichten zur Cannabispflanze. Drei Kontexte, dieselbe Substanz, sehr verschiedene Datenlagen. Die Übersicht von 2016 sortiert die eine Hälfte [1], die von 2011 formuliert die offene Frage [2]. Wer beides auseinanderhält, liest eine Terpenzeile deutlich ruhiger.
Präklinische Modelle, Befund für Befund
- Nozizeption bezeichnet in der Fachsprache die Erfassung eines schädigenden Reizes. Die Arbeit von Fonsêca und Kollegen aus dem Jahr 2016 notiert im Mausmodell bei unterschiedlichen zugeführten Mengen eine verringerte nozizeptive Reaktion, also eine geringere messbare Antwort auf einen solchen Reiz [3].
- Dieselbe Publikation verzeichnet eine geringere Bildung von Interleukinen, also der Signalmoleküle, über die Immunzellen im entzündlichen Geschehen miteinander kommunizieren [3].
- Als vorgeschlagener Mechanismus wird dort das GABAerge System genannt, das Netzwerk rund um die Gamma-Aminobuttersäure [3].
- Zur Datierung dieser Arbeit stehen zwei Angaben nebeneinander: Februar 2016 in PubMed, 2015 in einigen Referenzlisten, vermutlich wegen einer Vorabveröffentlichung im Netz [3].
- In der Arbeit von Wattenberg aus dem Jahr 1991 wurde Nerolidol über das Futter in ein Mausmodell mit chemisch ausgelöster Zellneubildung im Dickdarmgewebe gegeben; die notierte Häufigkeit lag bei 82 % ohne und bei 33 % mit Zufuhr [4].
- Costa und Kollegen untersuchten 2015 das ätherische Öl aus den Blättern von Zornia brasiliensis, das einen hohen Nerolidolanteil enthält, und notieren eine Verringerung des beobachteten Wachstums zwischen 1,68 % und 38,61 % [5].
- Beide Publikationen zu diesem Themenkreis sind präklinisch angelegt, Untersuchungen am Menschen sind dazu nicht veröffentlicht [5].
- Nogueira Neto und Kollegen berichten 2013 antioxidative Messwerte im Hippocampus, erhoben im Mausmodell nach einem Open-Field-Test, und beschreiben den Befund für dieses Modell als neuroprotektiv [6].
- Der Umfang dieses Punktes ist klar begrenzt: eine präklinische Publikation, eine Hirnregion.
- Klopell und Kollegen isolierten 2007 Nerolidol aus dem ätherischen Öl von Baccharis dracunculifolia und prüften es in Mausmodellen zur Ulkusbildung [7].
- Dieselbe Arbeit notiert eine geringere Ulkusbildung unter Immobilisation sowie eine Hemmung ethanolinduzierter und indometacininduzierter Ulzera, wobei Indometacin zu den nichtsteroidalen Antirheumatika zählt [7].
- Für das ethanolinduzierte Modell nennt die Publikation zwei Zahlen: 52,63 % Hemmung bei 250 mg pro Kilogramm Körpergewicht und 87,63 % bei 500 mg pro Kilogramm [7]. Die genannten Prozentzahlen und Mengen gelten für die dort beschriebenen Modelle und Bedingungen.
Sieben Arbeiten in Spalten sortiert
| Publikation | Modell oder Textsorte | Notierte Größe | Grenze der Angabe |
|---|---|---|---|
| Chan und Kollegen, 2016 [1] | Übersichtsarbeit zu Nerolidol | Einordnung als Sesquiterpenalkohol, Vorkommen, Tonnage, Aromastatus in den USA | Trägt die industriellen und rechtlichen Zahlen, nicht die Befunde aus Modellen. |
| Russo, 2011 [2] | Übersichtsarbeit zu Terpenen und Cannabinoiden | Nerolidol als Kandidat für eine Interaktion mit bestimmten Cannabinoiden | Formuliert einen Vorschlag; eine Zahl oder ein Anteil folgt daraus nicht. |
| Fonsêca und Kollegen, 2016 [3] | Mausmodell | Verringerte nozizeptive Reaktion, geringere Interleukinbildung, GABAerges System als Mechanismusvorschlag | Präklinisch; die Datierung erscheint je nach Verzeichnis als 2015 oder 2016. |
| Wattenberg, 1991 [4] | Mausmodell mit chemisch ausgelöster Zellneubildung im Dickdarmgewebe | Häufigkeitsangaben von 82 % und 33 % bei Zufuhr über das Futter | Eine einzelne Publikation aus dem Jahr 1991, präklinisch angelegt. |
| Costa und Kollegen, 2015 [5] | Ätherisches Blattöl von Zornia brasiliensis mit hohem Nerolidolanteil | Verringerung des beobachteten Wachstums zwischen 1,68 % und 38,61 % | Gemessen wurde das ätherische Öl, nicht die isolierte Einzelsubstanz. |
| Nogueira Neto und Kollegen, 2013 [6] | Mausmodell, Hippocampus nach Open-Field-Test | Antioxidative Messwerte, von den Autoren für dieses Modell als neuroprotektiv beschrieben | Eine Arbeit, eine Hirnregion, keine Übertragung auf andere Fragestellungen. |
| Klopell und Kollegen, 2007 [7] | Mausmodelle zur Ulkusbildung, Nerolidol aus Baccharis dracunculifolia isoliert | Geringere Ulkusbildung unter Immobilisation; 52,63 % Hemmung bei 250 mg/kg und 87,63 % bei 500 mg/kg im ethanolinduzierten Modell | Die Zahlen hängen an den dort gewählten Modellen und Bedingungen. |
| Gesamtbild | Präklinische Modelle plus zwei Übersichtsarbeiten | Zahlen zu Industrie und Aromarecht, dazu einzelne Messgrößen aus Modellen | Veröffentlichte Untersuchungen am Menschen liegen zu diesen Punkten nicht vor [5]. |
Acht Punkte zwischen Etikett und Analyse
- Nerolidol steht in der Übersicht von 2016 als Duftbestandteil, dessen Zweck in Kosmetik und Reinigungsprodukten der Geruch ist [1]. Aus dieser Rolle folgt keine Angabe über einen Pflanzenauszug in einer Pipettenflasche.
- Ein Terpenname sagt nichts über eine Menge. Was ein bestimmter Auszug enthält, steht im Bericht zur jeweiligen Charge, und dieser Bericht gehört zu einem Produkt, nicht zu einer Stoffgruppe.
- Cibdol veröffentlicht unabhängige Analysen zum Sortiment der CBD Öle. Geprüft wird seit 2014, aus einem sehr einfachen Grund: Behauptungen sind leicht aufgestellt, Ergebnisse lassen sich nachlesen.
- Wer nach CBG Öl, CBD Vollspektrum Öl oder nach CO2 Extraktion sucht, landet bei Fragen zur Herstellung und zum Gehalt. Das sind andere Fragen als die nach einem einzelnen Terpen, und sie werden über die Unterlagen zum Produkt beantwortet.
- Die Begriffe Vollspektrum und Breitspektrum beschreiben, welche Bestandteile eines Auszugs auf dem Etikett ausgewiesen sind. Ein einzelnes Terpen wird dort nicht mit einer Zahl geführt.
- Das cannabinoide System gehört in einen eigenen Eintrag. Zwischen der Nennung eines Duftbestandteils und einer Aussage über ein körpereigenes Signalsystem liegt eine Lücke, die die zitierten Arbeiten offen lassen [2].
- Die präklinischen Befunde zu Nerolidol sind Einzelbefunde: eine Arbeit zur nozizeptiven Reaktion und zu Interleukinen [3], eine zu antioxidativen Messwerten im Hippocampus [6], eine zu Ulkusmodellen [7], dazu zwei Arbeiten zur Zellneubildung [4][5].
- Untersuchungen am Menschen liegen zu diesen Punkten nicht vor [5]. Was bleibt, ist die belegte industrielle Seite mit Tonnage, Branchen und Aromastatus [1] sowie ein Vorschlag aus dem Jahr 2011, der bis heute ein Vorschlag ist [2].
Häufig gestellte Fragen
5 FragenZu welcher Stoffgruppe zählt Nerolidol?
Wie viel Nerolidol verarbeitet die Industrie pro Jahr?
Was besagt der Kandidatenstatus aus der Übersichtsarbeit von 2011?
Warum stehen für die Arbeit von Fonsêca zwei Jahreszahlen im Umlauf?
Warum tauchen Terpennamen wie Nerolidol in Texten über Hanf auf?
Über diesen Artikel
Luke Sholl schreibt seit 2011 über Cannabinoide, CBD und die vielfältigen Vorteile der Natur. Zu seinem Hintergrund gehört eigene praktische Erfahrung im Cannabisanbau über den gesamten Zyklus vom Samen bis zur Ernte hin
Dieser Wiki-Artikel wurde mit KI-Unterstützung verfasst und von Luke Sholl geprüft, Autor für CBD und Wohlbefinden. Redaktionelle Aufsicht durch Joshua Askew.
Medizinischer Hinweis. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere vor der Verwendung einer Substanz eine qualifizierte Fachperson im Gesundheitswesen.
Zuletzt geprüft am 26. August 2026
Literatur (7)
- [1]Chan, W.K. et al. (2016). Nerolidol: A Sesquiterpene Alcohol with Multi-Faceted Pharmacological and Biological Activities. Molecules. DOI: 10.3390/molecules21050529
- [2]Russo, E.B. (2011). Taming THC: potential cannabis synergy and phytocannabinoid-terpenoid entourage effects. British Journal of Pharmacology. DOI: 10.1111/j.1476-5381.2011.01238.x
- [3]Fonsêca, D.V. et al. (2016). Nerolidol exhibits antinociceptive and anti-inflammatory activity: involvement of the GABAergic system and proinflammatory cytokines. Fundamental & Clinical Pharmacology. DOI: 10.1111/fcp.12166
- [4]Wattenberg, L.W. (1991). Inhibition of azoxymethane-induced neoplasia of the large bowel by 3-hydroxy-3,7,11-trimethyl-1,6,10-dodecatriene (nerolidol). Carcinogenesis. DOI: 10.1093/carcin/12.1.151
- [5]Costa, E.V. et al. (2015). Antitumor Properties of the leaf essential oil of Zornia brasiliensis. Planta Medica. DOI: 10.1055/s-0035-1545842
- [6]Nogueira Neto, J.D. et al. (2013). Antioxidant effects of nerolidol in mice hippocampus after open field test. Neurochemical Research. DOI: 10.1007/s11064-013-1092-2
- [7]Klopell, F.C. et al. (2007). Nerolidol, an Antiulcer Constituent from the Essential Oil of Baccharis dracunculifolia DC (Asteraceae). Zeitschrift für Naturforschung C. DOI: 10.1515/znc-2007-7-812
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