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Fünf große Cannabinoide und ihre Entdeckungsdaten

Definition
Die Entdeckung eines Cannabinoids ist ein datierter Arbeitsschritt: eine Substanz wird aus dem Harzgemisch getrennt, gereinigt und in ihrer Struktur bestimmt, dann steht sie mit Jahresangabe in der Literatur. Für die fünf großen Cannabinoide reichen diese Angaben von 1899 bis in die 1960er Jahre. Der erste Cannabinoid-Rezeptor kam erst 1990 dazu.
Erst trennen, dann benennen
Ein Cannabinoid bekommt sein Datum nicht in der Pflanze, sondern im Labor. Harz ist ein Gemisch. Solange eine Einzelsubstanz darin steckt, gibt es keinen Namen, keine Formel, keine Fundstelle. Erst wenn ein Stoff aus dem Gemisch herausgeholt, gereinigt und in seiner Struktur bestimmt ist, entsteht eine Arbeit, auf die sich später jemand berufen kann. Genau das ist gemeint, wenn von der Entdeckung eines Cannabinoids die Rede ist: kein Aha-Moment, sondern ein dokumentierter Arbeitsschritt mit Jahreszahl.
Daraus folgt die Reihenfolge dieser Chronologie. Die fünf großen Cannabinoide tauchen nicht nach ihrem Anteil in der Pflanze auf und nicht nach dem öffentlichen Interesse an ihnen, sondern nach dem Stand der Trennverfahren. Was sich trennen ließ, wurde beschrieben. Was sich nicht trennen ließ, blieb ein Sammelbegriff. Zwischen der ersten und der letzten Jahreszahl dieser Reihe stehen deshalb Angaben, die mehr über Laborgeräte verraten als über Hanf: Chromatographie, Spektroskopie, am Ende Molekularbiologie.
Das Instrumentarium von 1899
Am Anfang steht Cannabinol. 1899 berichteten Wood, Spivey und Easterfield darüber [1], vier Jahre vor dem ersten Motorflug der Brüder Wright. Es ist das erste Cannabinoid, das überhaupt isoliert wurde, und dieser Rang wird leicht unterschätzt. In heutigen Produktlisten und Suchanfragen ist Cannabinol keine Hauptfigur. In der Chronologie steht es trotzdem vorn, weil hier zum ersten Mal ein einzelner Stoff aus dem Harz als eigene Substanz vorlag und mit einem Namen versehen wurde.
Das verfügbare Instrumentarium des Jahres 1899 erklärt beides: die Leistung und die Grenze. Es reichte, um eine Substanz zu fassen, sie als eigenständig zu erkennen und darüber zu berichten. Für die vollständige Struktur weiterer Bestandteile des Gemischs reichte es nicht. Bis in die 1930er Jahre hatten sich die Methoden erheblich verändert, und erst danach wurde die nächste Strukturangabe möglich. Zwischen 1899 und 1940 liegt also keine Pause im Interesse, sondern eine Pause in der Technik. Wer diese Reihenfolge einmal gesehen hat, liest die Jahreszahlen anders. Sie sind Methodendaten.
Sechs Jahreszahlen, der Reihe nach
- 1899. Cannabinol wird berichtet [1]. Es ist das erste Cannabinoid, das auf diese Weise in die Literatur kommt, und damit der Startpunkt der ganzen Reihe. Alles Weitere in dieser Aufzählung bezieht sich auf denselben Vorgang: eine Substanz aus einem Gemisch, eine Publikation, eine Jahresangabe, die nachprüfbar ist.
- 1940. Die Struktur von Cannabidiol wird von Adams, Hunt und Clark berichtet [2], nach Untersuchung eines Auszugs von wildem Hanf aus Minnesota. Die Formulierung dieser Arbeit lohnt Aufmerksamkeit, denn Substanz und Struktur stehen hier im selben Jahr fest, rund 75 Jahre bevor derselbe Stoff eine Verbraucherkategorie und ein Gegenstand von Regelwerken wurde.
- 1964. Gaoni und Mechoulam legen eine Arbeit vor, die drei Dinge zugleich enthält: die Isolierung eines aktiven Bestandteils des Haschischs, die Bestimmung seiner Struktur und die Beschreibung einer Teilsynthese [3]. Die Substanz ist Tetrahydrocannabinol. Vor diesem Jahr lagen 24 Jahre, in denen dieser Bestandteil ohne Strukturangabe blieb.
- 1960er Jahre. Im selben Forschungsprogramm wird Cannabigerol charakterisiert [3]. Es erscheint damit nicht als Einzelfund, sondern als Teil einer Serie, die mit einer neuen Gerätegeneration möglich wurde. In der Chronologie trägt dieser Eintrag das Jahrzehnt als Angabe, nicht einen einzelnen Tag.
- 1966. Cannabichromen wird als neuer aktiver Bestandteil im Haschisch beschrieben, von denselben zwei Autoren [4]. Damit ergibt die Zwischenbilanz: drei der fünf großen Cannabinoide gehen auf ein Forschungsvorhaben innerhalb eines einzigen Jahrzehnts zurück [4]. Solche Häufungen sind in der Wissenschaftsgeschichte meistens Methodenhäufungen.
- 1990. Matsuda und Kollegen berichten die Struktur eines Cannabinoid-Rezeptors und die funktionelle Expression der klonierten Sequenz [5]. Damit wechselt das Thema die Disziplin. Der Rezeptor aus dieser Arbeit trägt heute den Namen CB1 [5], und ab hier ist die Frage nicht mehr, was ein Stoff ist, sondern woran er im Gewebe ansetzt.
Als die Geräte schneller wurden
Ab den 1950er Jahren standen Dünnschicht- und Gaschromatographie zur Verfügung. Damit ließ sich ein Gemisch in Stunden auftrennen, wofür vorher Wochen nötig waren. Parallel kamen Kernresonanz und Massenspektrometrie dazu, und die lieferten Strukturinformationen direkt aus kleinen Proben. Das ist der ganze Mechanismus hinter dem auffälligsten Abschnitt dieser Chronologie. Drei der fünf großen Cannabinoide erscheinen innerhalb eines Jahrzehnts, weil in diesem Jahrzehnt zum ersten Mal die passenden Geräte auf dem Labortisch standen.
Umgekehrt heißt das auch: die 24 Jahre vor 1964 waren nicht untätig. Sie waren nur schlechter ausgestattet. Wer eine Zeitleiste nach Ereignisdichte liest, hält solche Abschnitte für Stillstand. Wer sie nach Methoden liest, sieht Vorarbeit.
Ein Programm, ein Jahrzehnt, drei Moleküle
Die Arbeit von 1964 ist ungewöhnlich dicht [3]. Isolierung, Struktur und Teilsynthese in einer Publikation, das ist nicht die Beschreibung eines Fundes, sondern die Beschreibung eines beherrschten Verfahrens. Aus demselben Programm stammt die Charakterisierung von Cannabigerol [3]. Zwei Jahre später folgt Cannabichromen, wieder von denselben beiden Autoren [4]. Die drei Einträge hängen also nicht zufällig zusammen. Sie sind das Ergebnis einer Arbeitsweise, die einmal etabliert war und dann Substanz für Substanz angewendet wurde.
Für die Frage nach dem Unterschied zwischen THC und CBD ist an dieser Stelle nur eines wichtig: die beiden Moleküle kommen aus verschiedenen Jahrzehnten der Literatur, 1940 und 1964, und sie kamen mit unterschiedlichen Methodenständen zustande [2][3]. Das heutige Interesse an Cannabidiol ändert nichts an der Chemie von 1940. Die Arbeit steht da, so wie sie geschrieben wurde, und sie hält genau das fest, was damals gemessen wurde. Genau deshalb lässt sich mit ihr auch heute noch arbeiten, ohne etwas dazuzudichten.
Fünf Moleküle in Spalten
| Cannabinoid | Jahresangabe | Was die Arbeit festhält | Fundstelle |
|---|---|---|---|
| Cannabinol | 1899 | Bericht über Cannabinol. Es ist das erste Cannabinoid, das überhaupt isoliert wurde, ein einzelner Datenpunkt ohne nachfolgendes Programm. Zeitlicher Bezug für die Einordnung: vier Jahre vor dem ersten Motorflug der Brüder Wright. | [1] |
| Cannabidiol | 1940 | Die Struktur von Cannabidiol wird berichtet, gewonnen aus einem Auszug von wildem Hanf aus Minnesota. Substanz und Struktur stehen im selben Jahr in der Literatur, rund 75 Jahre bevor derselbe Stoff eine eigene Verbraucherkategorie und ein Gegenstand von Vorschriften wurde. | [2] |
| Tetrahydrocannabinol | 1964 | Isolierung, Strukturbestimmung und eine beschriebene Teilsynthese eines aktiven Bestandteils des Haschischs, alles in einer Publikation. Davor lagen 24 Jahre, in denen dieser Bestandteil ohne bestimmte Struktur in der Literatur geführt wurde. | [3] |
| Cannabigerol | 1960er Jahre | Charakterisiert im selben Forschungsprogramm, aus dem die Arbeit von 1964 stammt. Die Chronologie führt hier ein Jahrzehnt und nicht einen einzelnen Tag, weil der Eintrag an dieses Programm gebunden ist und nicht an eine gesonderte Einzelpublikation. | [3] |
| Cannabichromen | 1966 | Als neuer aktiver Bestandteil im Haschisch beschrieben, von denselben zwei Autoren wie 1964. Der jüngste der fünf Einträge auf der chemischen Seite dieser Reihe und gleichzeitig der Abschluss des dichten Jahrzehnts. | [4] |
| Zwischenstand der Reihe | 1964 bis 1966 | Drei der fünf großen Cannabinoide gehen auf ein Forschungsvorhaben innerhalb eines Jahrzehnts zurück. Die Häufung erklärt sich über die Geräte: Dünnschicht- und Gaschromatographie, dazu Kernresonanz und Massenspektrometrie. | [4] |
| Cannabinoid-Rezeptor | 1990 | Struktur eines Cannabinoid-Rezeptors und funktionelle Expression der klonierten Sequenz. Kein weiteres Molekül aus der Pflanze, sondern der erste Eintrag auf der biologischen Seite. Der Rezeptor trägt heute die Bezeichnung CB1. | [5] |
Vom Molekül zum Rezeptor
| Angabe | Was dazu veröffentlicht ist |
|---|---|
| Lücke von 1966 bis 1990 | Die Frage nach einem Rezeptor war stellbar, aber nicht beantwortbar. Genklonierung und funktionelle Expression wurden erst in den 1980er Jahren zur Routine. Der Abstand ist damit ein Werkzeugabstand und keine Interessenpause. |
| 1990, Matsuda und Kollegen | Berichtet werden die Struktur eines Cannabinoid-Rezeptors und die funktionelle Expression der klonierten Sequenz [5]. Bis dahin blieb dieser Punkt in der Literatur offen, obwohl die Moleküle seit Jahrzehnten beschrieben waren. |
| Heutige Bezeichnung | Der Rezeptor aus dieser Arbeit heißt inzwischen CB1 [5]. Wer die Kurzbezeichnung in neueren Texten liest, liest also einen Namen, dessen Ausgangspunkt genau eine Publikation aus dem Jahr 1990 ist. |
| Reihenfolge der Disziplinen | Chemie zuerst, Biologie danach [5]. Strukturen sagen, was eine Verbindung ist. Rezeptoren sagen, woran sie im Gewebe ansetzt. Die erste Frage war ab 1899 bearbeitbar, die zweite ab 1990. |
| Was nach 1990 dazukam | Kartierung der Rezeptoren, körpereigene Verbindungen, Enzyme für Aufbau und Abbau, dazu Pharmakologie. Diese vier Arbeitsfelder bilden den Inhalt der Jahre nach der Rezeptorarbeit. |
| endocannabinoid system | Die Rezeptorarbeit von 1990 kam nach Jahrzehnten von Molekülen in der Literatur und war der Auslöser für die Suche nach körpereigenen Verbindungen und den zugehörigen Enzymen. Für dieses Ensemble steht der Name. |
| Junges Element der Geschichte | Nicht die Chemie ist hier der junge Teil, sondern die Biologie. Der Rezeptor wurde 1990 kloniert, also fast ein Jahrhundert nach dem ersten isolierten Cannabinoid [1][5]. |
| Stand des Feldes | Der zentrale Rezeptor wurde 1990 erstmals beschrieben, und die Karte füllt sich weiter. Wer das cannabinoide System nachliest, liest also an einem Kapitel mit, das noch geschrieben wird. |
Datum, Arbeit, offene Stelle
Es gibt eine Arbeitsweise, die aus diesen sechs Jahreszahlen folgt, und sie stammt von den frühen Chemikern selbst: die Behauptung isolieren, die Quelle nennen, markieren, wo die Belege enden. Genau so lässt sich über Cannabinoide auch heute schreiben. Angaben datieren. Arbeiten benennen. Nichts zu Gewissheit runden, was in der Publikation als offen steht. Das klingt trocken. Es ist aber der Grund, warum eine Angabe von 1940 nach über achtzig Jahren noch brauchbar ist.
Nützlich ist dabei die Trennung der Ebenen. Cannabinol, Cannabidiol, Tetrahydrocannabinol, Cannabigerol und Cannabichromen sind chemische Einträge mit Jahresangabe [1][2][3][4]. CB1 ist ein biologischer Eintrag mit Jahresangabe [5]. Und das Wortfeld, das heute auf Verpackungen und in Suchfeldern auftaucht, gehört zu einem sehr viel späteren Abschnitt derselben Zeitleiste. Ein CBG Öl im Regal ist eine Produktangabe, keine Fußnote zur Arbeit aus den 1960er Jahren.
Dieselbe Trennung hilft bei Begriffen aus der Herstellung. Ob ein Auszug per CO2 Extraktion gewonnen wurde, ob ein Etikett Vollspektrum nennt, ob CBD und CBG in einer Flasche stehen: das sind Angaben über ein Erzeugnis, nachlesbar auf Etikett und im Prüfbericht der jeweiligen Charge. Die Chronologie oben sagt dazu nichts. Sie sagt, wann welche Substanz zum ersten Mal beschrieben wurde, und mehr wollte sie nie sagen.
Cibdol arbeitet seit 2014 mit Cannabinoiden. In der Reihe, die 1899 beginnt, ist das ein junger Abschnitt und nicht ihr Ursprung, und das ist die ehrlichere Beschreibung als jede Ursprungserzählung. Was sich aus dieser Position beitragen lässt, ist bescheidener und überprüfbarer: unabhängige Analysen je Charge, Etikettenangaben, die zum Prüfbericht passen, und Texte, die eine Jahreszahl mit einer Fundstelle verbinden statt mit einem Gefühl.
Bleibt eine Beobachtung zum Muster. Erst kam das Was, dann das Woran. Fast ein Jahrhundert lag zwischen dem ersten isolierten Cannabinoid und dem ersten geklonten Rezeptor [1][5]. Die Karte ist seit 1990 deutlich vollständiger, fertig ist sie nicht. Insofern ist diese Seite eine Momentaufnahme des Belegstands, kein Abschluss. Kommen neue Arbeiten dazu, kommt eine Zeile dazu.
Häufig gestellte Fragen
4 FragenWas steht in der Arbeit von 1899 zu Cannabinol?
Nennt die Arbeit von 1964 mehr als eine Isolierung?
An welcher Stelle der Reihe taucht Cannabigerol auf?
Welche Technik machte die Rezeptorarbeit von 1990 möglich?
Über diesen Artikel
Luke Sholl schreibt seit 2011 über Cannabinoide, CBD und die vielfältigen Vorteile der Natur. Zu seinem Hintergrund gehört eigene praktische Erfahrung im Cannabisanbau über den gesamten Zyklus vom Samen bis zur Ernte hin
Dieser Wiki-Artikel wurde mit KI-Unterstützung verfasst und von Luke Sholl geprüft, Autor für CBD und Wohlbefinden. Redaktionelle Aufsicht durch Joshua Askew.
Medizinischer Hinweis. Diese Inhalte dienen ausschließlich der Information und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere vor der Verwendung einer Substanz eine qualifizierte Fachperson im Gesundheitswesen.
Zuletzt geprüft am 26. August 2026
Literatur (5)
- [1]Wood, T.B., Spivey, W.T.N. and Easterfield, T.H. (1899). III. Cannabinol. Part I. DOI: https://doi.org/10.1039/ct8997500020
- [2]Adams, R., Hunt, M. and Clark, J.H. (1940). Structure of cannabidiol, a product isolated from the marihuana extract of Minnesota wild hemp. DOI: https://doi.org/10.1021/ja01858a058
- [3]Gaoni, Y. and Mechoulam, R. (1964). Isolation, structure, and partial synthesis of an active constituent of hashish. DOI: https://doi.org/10.1021/ja01062a046
- [4]Gaoni, Y. and Mechoulam, R. (1966). Cannabichromene, a new active principle in hashish. DOI: https://doi.org/10.1039/c19660000020
- [5]Matsuda, L.A. et al. (1990). Structure of a cannabinoid receptor and functional expression of the cloned cDNA. DOI: https://doi.org/10.1038/346561a0
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